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Kurze inhaltliche
Beschreibung der 550 im Depot Zuchering
aufgearbeitete Funde.
1. Fundhistorie
Die Feldbegehungen
fanden von 1974 – 1990 statt. Ausgehend von
der westlichen Stadtgrenze Ingolstadt wurden
die Felder systematisch in Richtung
Westen und Nordwesten begangen. 1990 war die
Linie Donauwörth – Mündling im Westen und im
Norden die Albtraufe (Anlauter Tal
–Weißenburg) erreicht. Südlich der Donau
fanden nur kurze Abstecher in die
geologische Formation der Molasse statt, die
kein Paläolithikum aufwies.
Bewusst wurde also das Juragebiet mit seinen
reichhaltigen Vorkommen an Jurahornstein
aufgesucht. Zu Beginn der Suche waren mir
einige archäologische Arbeiten um Ingolstadt
und Tempelhofen, die Höhlenfunde in den
Taleinschnitten (Mauern Zotz, Dollnstein, KH
Rieder…) , das Mesolithikum von Donaumoos
(Seitz) sowie die Aktivitäten des rührigen
Neuburger Heimatforschers Eckstein bekannt.
Mein Interesse war
eindeutig auf neue Funde des Paläolithikums
gerichtet. Ich rechnete mir aus, bei
dieser relativ unerforschten Zeitepoche
bisher unbekannte Funde aufzuspüren. Hinzu
kam, dass die „unansehnlichen“
paläolithischen Abschläge an der Oberfläche
den Bauern bei ihrer Feldbestellung eher
entgehen würden als jüngere Funde. Die
Hochflächen des Juras versprachen eine
erosionsgeschützte Situation – mehr als die
Täler, wie auch die Funde bewiesen. Im
ständigen Kontakt mit dem Vor- und
Urgeschichtlichen Institut der Universität
Erlangen sowie Karl Heinz Rieder ließ ich
unklare Funde begutachten. Eine
wertvolle Hilfe war auch der leider zu früh
verstorbene Privatdozent Wolfgang Weißmüller
aus Erlangen.
2. Kurze Beurteilung
der Funde (unter Bezugnahme auf den Link
„Statistik der 550.“)
2.1 Altpaläolithikum (A)
Bei den 14 Fundpunkten handelt es sich fast nur um
verstreute Einzelfunde, deren sichere
Einordnung ins Altpaläolithikum (und nicht
ins Mittelpaläolithikum) daher nicht
unproblematisch ist, wie in der
Kurzbeschreibung nachzulesen ist. Um
Sehensand könnte eine größere Konzentration
vorliegen. Oberflächenfunde dieser Epoche
sind in Bayern extrem rar, der Übergang zu
Trümmern fließend. Mit den heutigen
Erfahrungen wäre der Sucherfolg sicherlich
größer gewesen. Immerhin bemühte ich mich – wenn auch vergebens – in den pleistozänen Schottern des Ur-Lechs um
Burgheim und den Hochschottern der Altmühl
um Eichstätt gezielt dem Altpaläolitikum
nach zu spüren…
2.2 Das Mittelpaläolithikum (MP)
weist mit 89
Lokalitäten eine überraschend hohe
Fundhäufigkeit auf. Schlagplätze mit über
100 Artefakten liegen in Dollnstein,
Dollnstein-Groppenhof, Solnhofen, Speckberg,
Böhmfeld, Unterstall, Ried-Groppenhof vor.
In den spätneolithischen Bergwerken Schönau,
Schönfeld, Ochsenfeld, finden sich
verstreut mittelpaläolithische Artefakte.
Ansonsten ist eine fast gleichmäßige
Streuung von mittelpaläolithischen
Artefakten über die gesamte Begehungsfläche
dokumentiert wordn. In der Textbeschreibung zu
einzelnen Funden findet sich manchmal keine
absolut sichere zeitliche Festlegung, was
sich aus einer geringen Fundmenge vor Ort
erklärt. Einzelne Fundpunkte mögen
daher aus dem MP-Schema heraus fallen. Dem
ist entgegen zu stellen, dass unter
der Rubrik „unbestimmt“ sich etliches Mittelpaläolithikum verbergen dürfte. Bei
einer intensiven Nachsammlung dürfte sich
die Zahl der Funde erheblich
vergrößern. Mit Ausnahme von Speckberg
(Müller-Beck) sowie Windhöhe sind bisher keine der
Lokalitäten publiziert worden.
2.3 Das Jungpaläolithikum (JP)
ist seltener
anzutreffen als das Mittelpaläolithikum (21
Fundpunkte). Die ersten modernen Menschen
haben also weniger Spuren hinterlassen als
der Neandertaler. Größere Schlagplätze über
100 Artefakte weisen auf: Joshofen (spätes
JP), Treidelheim (spätes JP – frühes ME),
Breitenfurt (spätes JP, nicht dokumentiert),
Inching (spätes JP-frühes ME), Möckenlohe
mit allein 7 Fundpunkten (frühes JP,
Aurignacien), Eitersheim-Windhöhe (frühes
JP, Aurignacien, nicht dokumentiert),
Nassenfels (spätes JP). Windhöhe ist bisher
dokumentiert worden.
2.4 Paläolithikum (P)
Mehr als 15 Funde sind
als Paläolithikum bezeichnet, d.h. es lässt
sich nicht entscheiden, in welche Zeitepoche
innerhalb des Paläolithikums die Funde zu
stellen sind. Analytisch ist aber eine
Trennung zu den jüngeren Perioden möglich.
2.5 Das Mesolithikum
ist mit
insgesamt weit über 35 Fundpunkten wieder
reichlicher dokumentiert. Anders als die
großen flächigen Konzentrationen im
Donaumoos und auf den Monheimer Sanden –
deren Funde im Depot Zuchering sind noch nicht dokumentiert -
sind größere Schlagplätze im oberbayerischen
Teil selten: Zu nennen sind: Haunsfeld-Wildbad, Hafenreuth,
Inching. Ansonsten streuen mesolithische
Artefakte als
Einzelfunde über das gesamte
Untersuchungsgebiet.
2.6 Das Neolithikum -
Bronzezeit
weist die größte
Häufigkeit aller Funde auf. Große
Fundkonzentrationen mit Siedlungen finden
sich um Buxheim (z.T. schon verbaut),
Egweil, Hütting, Gaimersheim, Kösching,
Attenfeld, Rennertshofen. Diese Funde sind
mit Siedlungen verbunden und in den
Niederungen nahe Wasserstellen anzutreffen.
Sie waren schon früher z.T. bekannt
(Eckstein) und sind in den letzten 15 Jahren
des öfteren publiziert worden. Wo verzierte
Keramik vorliegt, wurde eine nähere
Bestimmung versucht. In den Siedlungsfunden
liegt das gesamte Spektrum vor
wie Pfeilspitzen, Stein-Beile, Hüttenlehm,
Bohrer etc.
Neu hingegen war das
Aufspüren von spätneolithischen Bergwerken –
ohne Keramik - auf den Höhen der Alb – mit
Ausnahme des schon durch Winkelmann vor dem
1. Weltkrieg bekannten Tempelhof. Um
Schönau, Schönfeld, Ochsenfeld, Inching,
Bieswang steht zumeist Plattensilex an, der
sich für eine standardisierte
Dolchproduktion mit Exportverbindungen
eignet. Ein Teil dieser Funde dürfte in die
Bronzezeit reichen.
2.7 Sonstiges
Die erfassten sonstigen
Zeitstellungen wie Urnenfelderzeit (1),
Hallstattzeit (10), Römische Kaiserzeit (6)
sind praktisch zu vernachlässigen und
sicherlich unterrepräsentativ. Gründe dafür
sind schon dargestellt worden. Soweit es
sich um hochgepflügte Metallfunde handelt,
sind sie von den Bauern aufgesammelt
worden. Die nichtverzierte Keramik bereitet
analytische Schwierigkeiten. Auch wenn mein
Interesse auf das Paläolithikum gerichtet
war, kann das unbefriedigende Ergebnis nicht
auf ein bewusstes Negieren durch selektives
Sammeln zurück geführt werden. Mit der
Unterstützung von Herrn Daniel Meixner liegen immerhin
einige Ergebnisse vor.
2.8 Mittelalter
Sicheren Boden betreten
wir mit den mittelalterlichen Funden (36),
zumeist Keramikfragmente. Aber auch hier
kann die Fundsituation keineswegs als
repräsentativ für die Zeitepoche bezeichnet
werden. Ein Grund mag auch in dem Tatbestand
liegen, dass das Konzentrat der Funde in den
Dörfern zu suchen ist.
2.9 Neuzeit
Die Neuzeit (32) ist
auf den Äckern durch abgearbeitete
Sensendengeln, Murmeln,
Schiefertafelfragmenten, glasierte
Keramikfragmente aber auch Spuren des 2.
Weltkrieges präsent wie Gewehr-Kartuschen
und vor allem Kartuschen von großkalibriger
MG-Munition, die von Bordkanonen aus den
Luftkämpfen stammen. Angesichts des
gleichmäßig über den Äckern verstreuten
korrodiertem Metall kann man davon sprechen,
dass diese Kriegszeugen geradezu vom Himmel
gerieselt sind. Es liegen auch rund 30 Münzfunde vor, die nicht archiviert worden sind.
3. Unbestimmte
Zeitstellung – offene Fragen
Wenn rund ein Fünftel
der Funde unbestimmt geblieben ist,
widerspricht dies dem weitaus geringeren
Anteil an unbestimmbaren Funden, die in den
Beiheften der Bayerischen
Vorgeschichtsblätter vorliegen. Schwierig
wird die Analyse von Bodenfunden, wenn nur
eine geringe Anzahl oder einzelne Artefakte
begutachtet werden können. Hinzu kommt die
oben erwähnte Problematik bei der Analyse
von unverzierter Keramik oder
Eisenschlacken. Durch die Hinzuziehung von
weiteren Experten könnte der Anteil der
unbestimmten Funde verringert werden, ohne
dass sich aber an dem Gesamtergebnis etwas
Entscheidendes ändern würde.
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